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Museum für medizinische Wissenschaften, Erlangen

2003
Stadt Erlangen
ca. 10.000 m2
Oliver Kühn
Alexander Moritz
Marcel Bilow, Marlene Schwabe

BESUCH IN DER ZELLSTRUKTUR
Am Ort der ersten Fabrik für Röntgenapparate will Erlangen seine Vergangenheit und Zukunft symbiotisch für die edukative Konzeption eines neuen Medizin-, Natur- und Kunstmuseums nutzen. Das Projekt „Museumswinkel” möchte dabei dem Strukturwandel von der elektrotechnischen Industriestadt zu einer Stadt der Innovation in Medien und Gesundheit unverkennbaren Ausdruck verleihen. Zu diesem Zweck erfährt die alte Fabrik eine Transformation und verwandelt sich in eine Raumstruktur für vielfältige interdisziplinäre Interaktionen. Mit biomorphen Verflechtungen und Durchdringungen verschmelzen Alt und Neu zu einem Museumsorganismus.
Von einem Naturphänomen, der höchst leistungsfähigen und ästhetischen Zellenstruktur der Röhrenknochen, nimmt die Transformation der Fabrik ihren Ausgang. Ihre makroskopische Adaption für die Architektur eröffnet mit minimalem Materialaufwand neue Raumerlebnisse, ungewöhnlich belastbare Tragwerke und faszinierende Räume, die in uns Fantasie und Wissensdurst wecken.
Dazu wird die Fabrik von allen Ein- und Aufbauten befreit und ihre neuen Erweiterungen als organische Makrostrukturen aus Schalen- und Biegetrageelementen in Beton konzipiert. Mit ihnen öffnet sich das früher hermetisch geschlossene Fabrikareal erstmals seiner Stadt.
Einladend durchlässig wird das Gebäude, dessen gläserne Hüllen mit Bildern aus der Welt der Mikroskopie und Endoskopie bedruckt sind und vielfältige Einblicke in das neue Museum erlauben. Mit ihrer Low-Energy-Beschichtung und Siebdruckrastern dienen die Glasfassaden dem Haus nicht nur als sanfte Energie- und Lichtfilter, sondern auch dem Museum als mediale Informationsträger. Wege und Flächen sind als ein einziges Raumkontinuum organisiert und geleiten den Besucher ereignisreich in Form großer Rampen durch den interaktiven Museumsorganismus.